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Sonntag, 31. Mai 2020
– 80er Revival am Flughafen Tegel
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Derzeit ist
der Flughafen mit dem vierthöchsten Passagieraufkommen in Deutschland –
Berlin-Tegel (TXL)
– in eine Art Dörnröschenschlaf gefallen. Mit der COVID19-Pandemie ist
weltweit der Flugverkehr fast zum Erliegen gekommen und täglich
verlassen nur noch knapp über ein dutzend Maschinen Tegel, soweit sie
nicht auch annulliert werden.
Eigentlich sollte Tegel bereits seit acht Jahren Geschichte sein, im
Juni 2012 der Flughafen
Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER)
in Schönefeld eröffnen. Die schier unendliche Geschichte des BER ist
hinlänglich bekannt, sie soll nun aber am 31. Oktober 2020 ein
glückliches Ende finden – und der Flughafen BER ans Netz gehen. Eine Woche
später soll am 8. November 2020 der letzte Flieger von Tegel starten
und der Flughafen bis Mai 2021 vollständig geschlossen sein.
Aktuell wird der verbliebene Flugverkehr über das erst 2007 in Betrieb
genommene Terminal C abgewickelt, eine Leichtbauhalle abseits vom
eigentlichen Flughafenbau – das markante Terminal A wurde Mitte Mai
geschlossen und ist aktuell verwaist. Der radikale Einbruch an
Fluggästen lässt den Flughafen leer wie nie erscheinen und bot die
Chance, die bis 1990 in besonderer blauer Lackierung verkehrende
Airport-City-Linie 9 Zoo – Flughafen Tegel mit einem
passenden Fahrzeug – dem O 405 2000 der Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin
(ATB) – nachzustellen.
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Die Linie 9
Zoo – Flughafen
Tegel wurde im Juni 1991 im Zuge der Zusammenführung der beiden
Berliner Teilnetze zur Linie 109 und wird bis heute auf diesem Linienweg betrieben.
Hier überholt der Scania
Citywide LFA (G16) 4510 aus dem Jahr 2015 am Terminal B den
ersten O 405 der BVG, den
E85-Wagen 2000 von 1985.
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Oldtimer
neben den in Berlin
allgegenwärtigen Gelenkbussen, welche seit den 1990er Jahren die früher
im Westteil Berlins üblichen Doppeldeckerbusse allmählich
zurückdrängen. Letztlich konnte ein vollständiges „Aus“ der markanten
Doppeldecker vermieden werden, die BVG beschaffte vom aktuellen Typ MAN A39 (Lion's City DD) über 400
Exemplare. Vom potentiellen Nachfolger – dem „Enviro500“ des schottischen
Unternehmens Alexander Dennis –
sollen bis zu 200 Fahrzeuge beschafft werden.
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Fast könnte
man meinen, wir schreiben das Jahr 1988. Der Flughafen hat damals gerade den
Beinamen des Luftfahrtpioniers Otto
Lilienthal erhalten, der E85 2000 hat seine Endstelle am
Flughafen Tegel erreicht und links steht jeweils ein Golf 19E (Golf II) und ein Mercedes-Benz
W123 als Abholer.
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Seit 1998
steht am Flughafen
Tegel auch der Wagenkasten 475 079, einem der Stadtbahner die noch bis
Dezember 1997 in Berlin im Einsatz waren und damit beinahe heute fast
undenkbare 70 Jahre im Einsatz standen. 1992 bei Einführung neuer
Rollbänder in den S-Bahntriebwagen wurden alle damals denkbaren Ziele
mit aufgedruckt – auch wenn absehbar war, dass bei weitem nicht alle
Ziele je von S-Bahnzügen erreicht werden. Flughafen
Tegel wäre per S-Bahn nur über eine Verlängerung der 1980 stillgelegten
Strecke nach Gartenfeld denkbar gewesen, immerhin hat der Senat 2019
den
Wiederaufbau der Strecke nach Gartenfeld bis 2026 beschlossen – zum
Flughafen Tegel wird aber keine S-Bahn mehr fahren.
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Der 475 079
ist einer von drei
Stadtbahner-Wagenkästen, welche 1998 in Tegel aufgestellt wurden, um
die
Ladengeschäfte in den Terminals zu modernisieren. Der Wagenkasten 875
079 wurde nach Abschluss der Arbeiten verschrottet, der des 875 057
wird auf
dem Flughafengelände bis heute intern weitergenutzt.
475 079 wurde
im Jahr 2000 von der Berliner
Flughafengesellschaft mbH (BFG) an der Haupthalle aufgestellt, er wird durch die C.
Wöllhaf GastroService GmbH als EsS-Bahn betrieben.
Darüberhinaus betreibt das Unternehmen in Stuttgart in Form des
Wagenkastens von 475 608 eine weitere EsS-Bahn, fünf Wagenkästen der BR 477/877 (477
119, 477/877 053 und 117)
sind für eine mögliche spätere Verwendung eingelagert. Von daher ist es
nicht unwahrscheinlich, dass der Wagenkasten vom 475 079 die Schließung
des Flughafens in Tegel ebenfalls überleben wird.
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Denken wir
uns die sonnengelben Busse weg, fast perfekt die Zeitreise in die
1980er...
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Abfahrt
zum
Bahnhof Zoo. Das
blaue Schild „City-BUS“ erinnert an die nach nur wenigen Monaten 1977
wieder aufgegebene Schnellbusverbindung mit besonderem Fahrpreis, die
Schilder „City-BUS“ fanden sich später noch bei den Bussen der Linie 9
wieder.
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Back to the 80s. Nach Schließung
des Flughafens Tegel zum 8. November 2020 (so nun alles beim BER glattläuft)
wird das Gelände neu entwickelt. Der 1965 von den heute renommierten
Architekten „von Gerkan und Marg“ entworfene Flughafen Tegel mit seinen
ultrakurzen Wegen steht mit den Terminalgebäuden und dem Tower unter
Denkmalschutz und wird voraussichtlich Campus-Standort. Dann wird die
Rampe zur Flaniermeile, Autos werden hier nicht mehr fahren.
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Der E85 2000
hat inmitten der Wagen aus den 1980ern seine Lücke gefunden.
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Seit
Fertigstellung hat sich
vieles am Flughafen kaum verändert. Die Schleife rund um die Zufahrt
zum Flughafen Tegel gehört dazu – die Werbung für easyJet und den massiven
Sicherheitszaun gab es 1974 noch nicht. Das Brückenbauwerk wird im Zuge
der Nachnutzung abgerissen und auf Geländeniveau ein Kreisverkehr
eingerichtet.
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Unübersehbar
die kommenden
Zeiten. 2004 wurde der Planfestellungsbeschluss für den Ausbau des
Flughafens in Schönefeld getroffen, welcher mit Inbetriebnahme von BER
die Schließung des Flughafens Tegel festschreibt. Sechs Monate nach
Betriebsaufnahme des Flughafens BER erlischt die Betriebserlaubnis des
Flughafens Tegel.
Jüngst gab es Bemühungen den Flughafen in Tegel offenzuhalten, doch
würde ein Weiterbetrieb parallel zum Flughafen BER nach allgemeiner
Rechtsauffassung ein neues Planfeststellungsverfahren nötig machen, mit
allen aktuellen Rechten der Anwohner und Pflichten der Betreiber –
welche für den Flughafenbetrieb eigentlich erforderliche
Lärmminderungsmaßnahmen in Anbetracht der bevorstehenden Schließung
nicht mehr durchgeführt haben.
Zugleich ist am Flughafen Tegel die technische Infrastruktur 25 Jahre
nach dem Grundsatzbeschluss zur Schließung des Flughafens verbraucht.
Entsprechend gibt es umfangreiche Nachnutzungspläne mit Einrichtung
eines Campus in den bisherigen Gebäuden und Entwicklung des Rollfeldes
für Industrie, Gewerbe, Wohnungen und Naturflächen.
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Noch begrüßt
die Anreisenden dieser Übersichtsplan des Flughafens Tegel (TXL). Links daneben nicht mehr im
Bild eine längst jenseits jeder Nutzungsdauer angekommene Tafel mit den
aktuellen Flugplänen.
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Die Ringe
und die Licht-/Schattenspiele im markanten Zufahrtstunnel sind bald
Geschichte, wenn die Wege hier auf Geländeniveau gebracht werden und
zum Kreisverkehr werden. Eine Zufahrt zu den heutigen
Terminalgebäuden mit dem Auto ist künftig nicht mehr vorgesehen.
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Folgt man
den aktuellen Skizzen der Tegel Projekt GmbH, wird die obere Ebene des
Innenrings am Terminal A in weiten Bereichen abgerissen und einer
begrünten Innenfläche Platz machen.
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Üblicherweise
würden hier in zwei Reihen zwanzig Taxen auf Fahrgäste warten – über
den Innenring verteilt rund 60 Taxen – und fast im Minutentakt
Flugzeuge landen oder starten. Wo normalerweise monatlich 2,3
Mio Flugreisende ankommen oder abreisen, waren im April 2020 nur rd.
21.000 Fluggäste unterwegs – die aktuell ausschließlich über das
abseits gelegene Terminal C abgewickelt werden.
Auf dem Areal des Terminal C war einst ein zweites Sechseck für den
Flugverkehr vorgesehen, welches im Schatten der Neubauplanungen eines
Großflughafens aber nie realisiert wurde. Terminal A ist verwaist und
strahlt eine gespenstische Ruhe aus, als der Wagen 2000 an Gate A08
steht.
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Der Mercedes
W123 ist ein Kind der 1970er, wurde aber noch bis 1986 gebaut.
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Die Ausfahrt
aus dem Innenring. Die heute noch versiegelten Flächen sollen grün werden und ein
Teich für angenehmes Klima sorgen.
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Anschließend
war Gelegenheit am Depot der ATB eine kleine Auswahl der ATB-Fahrzeuge
abzulichten. Während der Wagen 2000 auf eine abendliche Runde wartet,
macht sich der DN95 3045 aus dem Hause MAN zu einer Probefahrt zur
Pfaueninsel bereit, da das Fahrzeug in Kürze wieder zugelassen werden
und als historisches Fahrzeug auf der Ausflugslinie 218 zum
Einsatz kommen soll.
Inzwischen hat auch der Nachfolgetyp des DN95, der MAN DL05 3196 als
Vertreter der Serienfahrzeuge der aktuellen Doppeldeckerbusse der BVG
Eingang in die Sammlung gefunden. Das Fahrzeug wird der wohl letzte
Vertreter eines Doppeldeckerbusses sein, welcher einmal als
historisches Fahrzeug zugelassen werden könnte.
Ab Baujahr 2007 gelten für den Gelegenheitsverkehr schärfere
Vorschriften wie Sicherheitsgurte, welche in Linienbussen auch heute
nicht eingebaut sein müssen. Der SD74 2626 wird gerade als
Tauschfahrzeug für die Linie 218 startklar gemacht.
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An der Hst
Scholzplatz wurde der Wagen 2626 in den Umlauf der Linie 218 geschleust
und der MAN D86 3550 herausgenommen, welcher einen Defekt aufwies und
zur Werkstatt in die Daumstraße musste.
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An der Hst
Schildhorn wendete der D86 3550 und es ergab sich ein Foto mit seinem
direkten Nachfolger, dem niederflurigen DN95.
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Der DN95
3045 hat das Ziel Pfaueninsel erreicht und tritt in Kürze die
Rückfahrt zur Daumstraße an.
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Unterhalb
der 1908/09 gebauten Stößenseebrücke im Zuge der 1911 eröffneten Heerstraße und heutigen B2/B5
nochmals der Wagen 3045.
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Kurz vor dem
ATB-Depot entstand an der Daumstraße noch dieses Foto des einrückenden
3045.
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Am Abend
führte der Weg nochmals zum Flughafen Tegel, abendliche Szenen
einfangen. Man kann aktuell bei der ganzen Ruhe ja nicht sagen, dass es abends ruhiger ist –
aber gegen 23 Uhr endet auch der rudimentäre Flugbetrieb und der Flughafen
ist endgültig wie ausgestorben. Der Airport-City-Bus 2000 der ATB
steht vor der imposanten Kulisse des Flughafens Tegel Modell.
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Die
Nachfolge des 1977 erfolglos erprobten CITY-Bus-Verkehrs haben ab 1993
sogenannte ExpressBus-Linien
angetreten, welche mit einem X vor der Liniennummer gekennzeichnet werden.
1999 kam die Linie TXL hinzu, welche zunächst einen
Sondertarif hatte, heute aber normaler Bestandteil des
ExpressBus-Netzes ist und den Flughafen Tegel mit nur vier
Zwischenhaltestellen in 23 Minuten an den Hauptbahnhof anbindet. Eine
U-Bahnanbindung war planerisch beim Bau des zweiten Terminalgebäudes
zum 1980 in Betrieb genommenen Bhf Jungfernheide vorgesehen, der Bhf
Jungfernheide hat dafür beim Bau zwei bis heute ungenutzte
Bahnsteigkanten erhalten.
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Markant an der Verbindung zum Innenring die zeitgenössischen Pfeile und die Hinweise zu den heutigen Gates A01-15.
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Für die letzte Abfahrt bereit, Werbekunden für die Leuchtreklamen gibt es längst nicht mehr.
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Wo
an den Taxiabfahrtsplätzen sonst das Leben pulsiert, kein Betrieb mehr.
Eigentlich sollte zum 15. Juni im gesamten Flughafen Tegel
sprichwörtlich das Licht ausgehen – doch hat sich die
Flughafengesellschaft am 3. Juni 2020 (dem achten Jahrestag der geplatzten BER-Eröffnung) entschieden, den Flugbetrieb entgegen
den Verlautbarungen nicht einzustellen.
Zum 15. Juni wird die weltweite Reisewarnung aufgehoben und die
Fluglinien wollen ab dann den Flugverkehr schrittweise wieder
hochfahren. Aufgrund der geltenden Abstandsregeln wird Tegel nun
nicht mehr als verzichtbar angesehen und der Flughafen bis zum 8.
November weiterbetrieben. Das Terminal A wird in diesem Zusammenhang
wieder öffnen und in 10 Tagen wird hier für rund fünf Monate nochmals
fast
das normale Gewusel herrschen.
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Ausfahrt
aus dem Verbindungstunnel des Innenrings – ob man der brutal anmutenden
Betonarchitektur der 1970er Jahre in Tegel irgendwann nachtrauern wird?
Nach aktuellen Plänen soll das Gebiet rund um den denkmalgeschützten
Flughafen in 15-20 Jahren neu entwickelt sein – modern,
umweltfreundlich und zum Verweilen und Wohlfühlen einladend.
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Ein
letztes Foto auf Ebene 0, der O 405 2000 zeigt sich noch einmal vor dem
Abfertigungsgebäude des Flughafens, ehe es für den 2000 zurück zur
Daumstraße geht, bzw. für den Fotografen gen Hamburg. Ein herzlicher
Dank an die Aktiven der Traditionsbus GmbH bzw. der ATB für diese Idee
und Durchführung dieser Fotoreihe abseits des aktuell fast noch
komplett ruhenden Vereinsbetriebes.
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Fotos
in Google Earth |
©
2020 Jan Borchers, www.bahnfotokiste.de |
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